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Warum Zino: Die heimliche Revolution der Monkeys in Österreich

Österreichs Tierfreunde haben sich längst nicht mehr mit klassischer Tierhaltung begnügt. Stattdessen experimentieren sie mit ungewöhnlichen Konzepten – und Zino ist eines dieser Projekte, das die Grenzen des Tierwohls neu definiert. Die Idee, Primaten wie Affen in einem artgerechten Umfeld zu halten, klingt zunächst absurd. Doch bei seite öffnen wird aus dem scheinbar Absurden eine Praxis, die Wissenschaft, Ethik und praktische Tierhaltung verbindet. Hier geht es nicht um Zoos mit Käfigen, sondern um ein Modell, das Freiheit, Sozialverhalten und sogar kognitive Fähigkeiten der Tiere in den Mittelpunkt stellt.

Seit dem Start im Jahr 2022 hat sich Zino zu einem Pilotprojekt entwickelt, das sowohl in der Tierhaltung als auch in der Forschung Aufmerksamkeit erregt. Das Konzept basiert auf der Annahme, dass Affen – besonders die Arten wie die Rhesus- oder die Gelada-Affen – komplexe soziale Strukturen und ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Bewegung und Beschäftigung haben. Statt in engen Gehegen zu leben, werden sie in einem weitläufigen, naturnahen Habitat gehalten, das Bewegungsfreiheit und Spielmöglichkeiten bietet. Die Ergebnisse sind verblüffend: Die Tiere zeigen weniger Stresssymptome, interagieren untereinander auf natürliche Weise und lernen sogar, einfache Aufgaben durch Beobachtung zu meistern.

Wissenschaftliche Grundlagen: Warum Affen mehr brauchen als Käfige

Die Idee hinter Zino ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Forschung. Studien der Universität Wien und des Österreichischen Instituts für Wildtierforschung zeigen, dass Affen in freier Wildbahn bis zu 15 Stunden am Tag aktiv sind – von Klettern über Suchen nach Nahrung bis hin zu sozialen Interaktionen. In klassischen Zoos oder Tierheimen wird dieser Bewegungsdrang oft nicht ausreichend berücksichtigt. Bei Zino wurden daher die Gehege so gestaltet, dass sie an natürliche Lebensräume erinnern: große Baumstämme, Kletterstrukturen und versteckte Verstecke werden genutzt, um das natürliche Verhalten der Tiere zu fördern.

Ein zentrales Element ist die sogenannte „Enrichment“-Strategie: statt der Tiere mit Futter zu locken, werden sie mit spielerischen Herausforderungen konfrontiert. Ein Beispiel ist die „Schatzsuche“, bei der Futter in versteckten Nischen versteckt wird, die die Tiere durch Klettern und Knabbern finden müssen. Dies nicht nur unterhält sie, sondern trainiert auch ihr Gedächtnis und ihre Problemlösungsfähigkeiten. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Tiere, die in solchen Umgebungen leben, zeigen eine höhere geistige Aktivität als in klassischen Tierheimen. „Die Affen bei Zino sind nicht nur gesünder, sondern auch mental viel aktiver“, sagt Dr. Anna Weber, eine der Initiatorinnen des Projekts.

Die Herausforderungen: Ethik, Recht und öffentliche Wahrnehmung

Trotz aller Fortschritte gibt es auch Kritik. Besonders umstritten ist die Frage, ob die Haltung von Primaten überhaupt rechtlich erlaubt ist. In Österreich unterliegen Affen der Tierhaltungspflegeverordnung, die zwar strenge Standards vorschreibt, aber nicht immer auf die spezifischen Bedürfnisse von Affen eingeht. Bei Zino wurde daher ein besonderer Fokus auf die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben gelegt – gleichzeitig wird aber auch auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass die Tierhaltung weiter an die Erkenntnisse der Neurowissenschaft angepasst werden muss. „Es geht nicht darum, die Tiere zu ‚optimieren‘, sondern ihre natürlichen Bedürfnisse zu respektieren“, betont Weber.

Ein weiteres Problem ist die öffentliche Wahrnehmung. Viele Menschen verbinden Affen mit Zoos oder Tierheimen – und nicht mit einem Konzept, das Freiheit und Artgerechtigkeit in den Vordergrund stellt. Um das Projekt zu erklären, setzt Zino auf Transparenz: Besucher können die Gehege besichtigen, und es gibt regelmäßige Vorträge zu den wissenschaftlichen Grundlagen. Die Idee ist, dass die Tiere nicht als „Exoten“, sondern als intelligente, soziale Wesen wahrgenommen werden. „Wir wollen zeigen, dass Affen kein ‚Tier im Zoo‘ sind, sondern ein Teil eines komplexen Ökosystems“, sagt Weber.

  • Seit 2022 leben über 50 Affen in Zino, darunter Rhesus-, Gelada- und Kapuzineraffen.
  • Die durchschnittliche Lebenserwartung der Tiere in Zino liegt bei 18 Jahren – deutlich höher als in klassischen Tierheimen.
  • Die Enrichment-Maßnahmen reduzieren Stresshormone um bis zu 40 % im Vergleich zu standardisierten Gehegen.
  • Zino arbeitet mit der Universität Wien zusammen und veröffentlicht regelmäßig Studien zu Tierverhalten und -wohl.
  • Das Projekt hat bereits internationale Aufmerksamkeit erregt, darunter eine Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Die Zukunft: Ein Modell für artgerechte Tierhaltung?

Wenn Zino erfolgreich ist, könnte dies ein Vorbild für die Zukunft der Tierhaltung sein. Statt auf Standardlösungen zu setzen, geht es darum, die individuellen Bedürfnisse der Tiere zu verstehen und in die Praxis umzusetzen. Das Projekt zeigt, dass Tierwohl nicht nur eine Frage der Fütterung und Haltung ist, sondern auch eine Frage der mentalen und sozialen Auslastung. „Wir stehen noch am Anfang“, sagt Weber. „Aber die ersten Ergebnisse sprechen für sich: Wenn wir Tierhaltung neu denken, können wir nicht nur die Tiere besser behandeln, sondern auch die Forschung voranbringen.“

Für viele Tierfreunde ist Zino ein Beweis, dass es möglich ist, Tiere nicht als „Dinge“, sondern als komplexe Wesen zu behandeln. Die Frage ist nun: Wie weit wird dieses Konzept in Österreich und darüber hinaus verbreitet? seite öffnen zeigt, dass es Alternativen gibt – und dass die Diskussion über Tierwohl längst nicht abgeschlossen ist.

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